Adolf Reichwein

 

Reichwein Portrait 5Unsere Schule trägt den Namen des Volkskundlers, Reformpädagogen und Widerstandskämpfers Adolf Reichwein.

Hier einige Stationen seines Lebens:

Am 3. Oktober 1898 in Bad Ems geboren, verlebt Reichwein seine Kinder- und Jugendjahre in der ländlichen Umgebung des Westerwaldes und der Wetterau.

Im ersten Weltkrieg wird er als Soldat schwer verwundet. Nach Kriegsende studierte Reichwein zunächst in Frankfurt, später dann in Marburg, wo er 1923 zum Dr. phil. promoviert.

Er übernimmt die Leitung der Abteilung Norddeutschland des deutsch-amerikanischen Hilfswerks in Berlin, wird Geschäftsführer der Volkshochschule Thüringen und Leiter der VHS in Jena.

 

Forschungsreisen führen ihn nach England, Skandinavien, Amerika, China, Japan und zu den Philippinen.

1929 arbeitet Reichwein am Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in Berlin und wird ein Jahr später Professor für Geschichte und Staatsbürgerkunde an der Pädagogischen Akademie in Halle a.d. Saale.

Unter dem Eindruck der wachsenden Erfolge der NSDAP wird er politisch tätig und entscheidet sich zum Eintritt in die SPD. Reichwein macht aus seiner Überzeugung kein Geheimnis und wendet sich offen gegen den Rassenwahn der Nazis. Nach deren Machtübernahme im Jahr 1933 wird er seiner Ämter enthoben und als einfacher Volksschullehrer an die einklassige Dorfschule nach Tiefensee versetzt. Dort leistet der überzeugte Reformpädagoge eine engagierte Bildungs- und Erziehungsarbeit, die er in seiner Schrift „Schaffendes Schulvolk“ dokumentiert. 

1939 wird Reichwein Leiter der Abteilung „Schule und Museum“ am Staatlichen Museum für deutsche Volkskunde in Berlin.

Ein Luftangriff 1943 auf Berlin zerstört seine Wohnung. Reichwein siedelt mit seiner Familie nach Kreisau in Schlesien über. Dort schließt er sich der Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ an, wird von der Gestapo verhaftet und am 20. Oktober 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Seine Grabstätte ist unbekannt.

Sein damals achtjähriger Sohn Roland Reichwein schreibt später über seinen Vater: „Reichwein war ein Pädagoge, ein Menschenfreund, der anderen - wie sich selbst zur Entfaltung ihrer besten Fähigkeiten verhelfen wollte. Er begriff Erziehung und Bildung von Anfang an als eine praktische und eine gesellschaftliche, politische Aufgabe.“

Reichweins Eintrag in das Poesiealbum eines Schülers ist ein Dokument seines pädagogischen Vermächtnisses und gleichzeitig ein wichtiger Leitgedanke für unsere Schule:

Richte immer die Gedanken
fest und ohne schwaches Schwanken
auf das selbst gewählte Ziel!

Hilft das Herz als Kompass viel,
weist die Richtung in der Stille,
soll der selbst gestählte Wille
doch Dich stärken, fest zu halten
und Dein Leben zu gestalten
nach den großen Tugendbildern,
die des Lebens Härte mildern:

Güte allen Menschen zeigen, 
Wahrheit gegen jedermann, 
über andrer Fehler schweigen 
und nur wollen, was man kann.

 

Literatur: Reichwein, Roland (Hrsg.): Adolf Reichwein, Reformpädagoge und Widerstandskämpfer, Frankfurt am Main 1984